© Mindener Muserum
Ausstellungen
Objekt im Fokus - Holzschuhe
Ausstellungsdauer
1. November 2026 – 31. Dezember 2026
Infos
Objekt im Fokus Holzschuhe, 1962
In der Sammlung des Mindener Museums werden rund 60.000 Objekte bewahrt. Trotz Dauer- und Sonderausstellungen oder Leihgaben an andere Museen lagern 95% der Sammlung verborgen im Magazin. Die Vielfalt und die Geschichte der Sammlung und das Wissen über die Objekte stellt das Museumsteam regelmäßig in Kabinettausstellungen vor. Alle zwei Monate wird außerdem ein „Objekt im Fokus“ im Foyer des Museums ausgestellt und dort seine Geschichte erzählt.
Das Objekt im Fokus in den Monaten November und Dezember ist ein Paar Holzschuhe. Dieses wurde 1962 in der Holzschuhmacherei Schiepel an der Kutenhauserstraße 55 in Minden gefertigt. Die Schuhe wurden 1978 mitsamt den Maschinen des Betriebs für die Sammlung des Mindener Museums angekauft.
Schuhe aus Holz haben eine jahrhundertlange Tradition. Die ältesten europäischen Funde stammen aus dem 13. Jahrhundert. Das Holz schützte den Fuß vor Feuchtigkeit. Im Sommer hatten die Schuhe zusätzlich eine kühlende Wirkung. In den Schuhen wurden meist Socken aus Schafwolle getragen. Bei Kälte legte man oft zusätzlich eine Lage Stroh in die Sohlen. Holzschuhe dienten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend als Arbeitsschuhe für die ländliche Bevölkerung. Im deutschsprachigen Raum haben sie viele regionale Bezeichnungen, die meist auf das Plattdeutsche oder alte Handwerksbegriffe zurückgehen. In Westfalen werden sie „Holsken“ oder „Holschen“ genannt.
Die Schuhe wurden vermutlich aus Erle, Birke oder Pappel gefertigt. Die Holzarten sind weich und lassen sich leichter verarbeiten als Harthölzer wie Eiche oder Buche. Ursprünglich wurden Holzschuhe noch vollständig in Handarbeit gefertigt. Im 19. Jahrhundert wurde die Produktion zunehmend mechanisiert. Für die Holzschuhmacherei Schiepel liegen erste Rechnungen für Maschinen für das Jahr 1895 vor. Diese wurden mit speziellen Treibriemen angetrieben (Transmission). Anfangs erfolgte dies noch per Dampfmaschine. Später wurde ein Elektromotor angeschafft.
Für die Herstellung sägte man Baumstämme zunächst in der Länge der späteren Holzschuhe in Scheiben. Anschließend wurden
sie grob in Blöcke zugeschnitten. Die Blöcke brachte man dann mit einer Bandsäge in Form. Mithilfe einer speziellen Holzbearbeitungsmaschine, der Kopiermaschine, ließ sich nun die Form eines bereits vorhandenen Holzschuhs durch Fräsen auf einen neuen Rohling übertragen. Anschließend wurde der Innenraum des Schuhs ausgestoßen und mit einer Langbohrmaschine weiter ausgehöhlt. Das Glätten mit Schleifpapier erfolgte wieder per Hand oder mit einfachen rotierenden Schleifbändern. Danach ließ man das Holz ca. drei bis vier Wochen trocknen. Dabei behandelte man es zusätzlich mit einer Schicht aus Leinöl, um es gegen Feuchtigkeit zu versiegeln. Abschließend erhielten die Schuhe als Verzierung Lederblätter und einen Samtbesatz. Da die Schuhe keine sichtbaren Abnutzungsspuren aufweisen, wurden sie vermutlich nie getragen. Wahrscheinlich handelt es sich um fertige Produkte des Betriebs, die nicht mehr verkauft wurden.
Auf der Unterseite der Schuhe ist in Rot die Zahl „2,[00]“ aufgemalt. Möglicherweise weist sie auf den ehemaligen Verkaufspreis hin. Im Fußbett ist eine weitere Zahl „24“ aufgemalt, die sich vermutlich auf die Größe bezieht. In dem Betrieb stellte man Schuhe in den Größen 18 bis 48 her, wobei auch Sonderanfertigungen möglich waren. Mit Innensohlenlängen von knapp 19cm entsprechen die Schuhe jedoch mehr den heutigen Größen 29 oder 30. Es handelt sich daher sehr wahrscheinlich um Kinderschuhe. Dies könnte auch den geringen Verkaufspreis erklären.
Die Holzschuhmacherei Schiepel bestand seit etwa 1895. In den 1920er Jahren wurden laut Aussage des letzten dort tätigen Holzschuhmachers jährlich noch rund 25.000 Paar Holzschuhe hergestellt. Bis 1968 soll die Produktion auf etwa 900 Paar jährlich gesunken sein. Gründe für die sinkende Beliebtheit waren unter anderem die zunehmende Konkurrenz durch Gummischuhe, günstigere Importwaren oder mangelnder Komfort. Das Tragen der harten Holzschuhe bei körperlicher Arbeit führte nicht selten zu Schäden an den Fußknochen. Auch die Zahl der Beschäftigten verringerte sich. Nachdem 1968 alle fünf Mitarbeiter das Unternehmen verlassen hatten, führte August Schiepel die Werkstatt alleine weiter. Mitte der 1970er Jahre wurde der Betrieb eingestellt.
In der Sammlung des Mindener Museums werden rund 60.000 Objekte bewahrt. Trotz Dauer- und Sonderausstellungen oder Leihgaben an andere Museen lagern 95% der Sammlung verborgen im Magazin. Die Vielfalt und die Geschichte der Sammlung und das Wissen über die Objekte stellt das Museumsteam regelmäßig in Kabinettausstellungen vor. Alle zwei Monate wird außerdem ein „Objekt im Fokus“ im Foyer des Museums ausgestellt und dort seine Geschichte erzählt.
Das Objekt im Fokus in den Monaten November und Dezember ist ein Paar Holzschuhe. Dieses wurde 1962 in der Holzschuhmacherei Schiepel an der Kutenhauserstraße 55 in Minden gefertigt. Die Schuhe wurden 1978 mitsamt den Maschinen des Betriebs für die Sammlung des Mindener Museums angekauft.
Schuhe aus Holz haben eine jahrhundertlange Tradition. Die ältesten europäischen Funde stammen aus dem 13. Jahrhundert. Das Holz schützte den Fuß vor Feuchtigkeit. Im Sommer hatten die Schuhe zusätzlich eine kühlende Wirkung. In den Schuhen wurden meist Socken aus Schafwolle getragen. Bei Kälte legte man oft zusätzlich eine Lage Stroh in die Sohlen. Holzschuhe dienten bis zum Ende des 19. Jahrhunderts vorwiegend als Arbeitsschuhe für die ländliche Bevölkerung. Im deutschsprachigen Raum haben sie viele regionale Bezeichnungen, die meist auf das Plattdeutsche oder alte Handwerksbegriffe zurückgehen. In Westfalen werden sie „Holsken“ oder „Holschen“ genannt.
Die Schuhe wurden vermutlich aus Erle, Birke oder Pappel gefertigt. Die Holzarten sind weich und lassen sich leichter verarbeiten als Harthölzer wie Eiche oder Buche. Ursprünglich wurden Holzschuhe noch vollständig in Handarbeit gefertigt. Im 19. Jahrhundert wurde die Produktion zunehmend mechanisiert. Für die Holzschuhmacherei Schiepel liegen erste Rechnungen für Maschinen für das Jahr 1895 vor. Diese wurden mit speziellen Treibriemen angetrieben (Transmission). Anfangs erfolgte dies noch per Dampfmaschine. Später wurde ein Elektromotor angeschafft.
Für die Herstellung sägte man Baumstämme zunächst in der Länge der späteren Holzschuhe in Scheiben. Anschließend wurden
sie grob in Blöcke zugeschnitten. Die Blöcke brachte man dann mit einer Bandsäge in Form. Mithilfe einer speziellen Holzbearbeitungsmaschine, der Kopiermaschine, ließ sich nun die Form eines bereits vorhandenen Holzschuhs durch Fräsen auf einen neuen Rohling übertragen. Anschließend wurde der Innenraum des Schuhs ausgestoßen und mit einer Langbohrmaschine weiter ausgehöhlt. Das Glätten mit Schleifpapier erfolgte wieder per Hand oder mit einfachen rotierenden Schleifbändern. Danach ließ man das Holz ca. drei bis vier Wochen trocknen. Dabei behandelte man es zusätzlich mit einer Schicht aus Leinöl, um es gegen Feuchtigkeit zu versiegeln. Abschließend erhielten die Schuhe als Verzierung Lederblätter und einen Samtbesatz. Da die Schuhe keine sichtbaren Abnutzungsspuren aufweisen, wurden sie vermutlich nie getragen. Wahrscheinlich handelt es sich um fertige Produkte des Betriebs, die nicht mehr verkauft wurden.
Auf der Unterseite der Schuhe ist in Rot die Zahl „2,[00]“ aufgemalt. Möglicherweise weist sie auf den ehemaligen Verkaufspreis hin. Im Fußbett ist eine weitere Zahl „24“ aufgemalt, die sich vermutlich auf die Größe bezieht. In dem Betrieb stellte man Schuhe in den Größen 18 bis 48 her, wobei auch Sonderanfertigungen möglich waren. Mit Innensohlenlängen von knapp 19cm entsprechen die Schuhe jedoch mehr den heutigen Größen 29 oder 30. Es handelt sich daher sehr wahrscheinlich um Kinderschuhe. Dies könnte auch den geringen Verkaufspreis erklären.
Die Holzschuhmacherei Schiepel bestand seit etwa 1895. In den 1920er Jahren wurden laut Aussage des letzten dort tätigen Holzschuhmachers jährlich noch rund 25.000 Paar Holzschuhe hergestellt. Bis 1968 soll die Produktion auf etwa 900 Paar jährlich gesunken sein. Gründe für die sinkende Beliebtheit waren unter anderem die zunehmende Konkurrenz durch Gummischuhe, günstigere Importwaren oder mangelnder Komfort. Das Tragen der harten Holzschuhe bei körperlicher Arbeit führte nicht selten zu Schäden an den Fußknochen. Auch die Zahl der Beschäftigten verringerte sich. Nachdem 1968 alle fünf Mitarbeiter das Unternehmen verlassen hatten, führte August Schiepel die Werkstatt alleine weiter. Mitte der 1970er Jahre wurde der Betrieb eingestellt.
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