Peter Doherty im Februar mit Band für vier Shows zurück in Deutschland
Vor zwanzig Jahren galt Peter Doherty als Inbegriff
des selbstzerstörerischen Genies – ein zitternder
Held aus Tabloid-Albträumen, ein britischer
Rimbaud auf Crack. Heute, mit 46, lebt er im
kleinen normannischen Küstendorf Étretat, mit
Blick aufs Meer, auf die Klippen – und in ein neues
Leben. In seiner Küche duftet es nach
Rhabarberkuchen, die Hunde Zeus und Gladys
tollen herum, während seine zweijährige Tochter
Billie-May auf dem Schoß seiner Frau Katia de
Vidas sitzt. „Ich wollte lange Zeit nur raus aus mir
selbst“, sagt Doherty, „jetzt will ich einfach nur da
sein.“ Dass er „da“ ist – körperlich, geistig,
künstlerisch – ist ein kleines Wunder.
Der The Libertines-Frontmann, berühmt-berüchtigt für Eskapaden, Prozesse und zerplatzte
Versprechen, hat sich in den letzten Jahren zu einem beständigen, fast heiteren Künstler
gewandelt. Sein aktuelles Soloalbum „Felt Better Alive“ ist nicht nur ein ironisch
gebrochener Titel, sondern eine nüchterne Bilanz eines Lebens, das vom Abgrund
zurückgekehrt ist. Es ist ein Album voller kleiner, poetischer Miniaturen: Lieder über
Apfelbäume und Kinderlieder, über Meerpfarrer und Mississippi-Träumer, durchzogen von
Humor und Zärtlichkeit. Entstanden ist es in der Normandie, in jenem Haus, das einst Katias
Großvater gehörte. „Ich habe in dem Raum geschrieben, in dem man das Meer atmen hört“,
erzählt Doherty. Man spürt in diesen Songs, dass sie nicht aus der Großstadt kommen,
sondern aus einem Alltag, der auf Spaziergänge, Stille und den Rhythmus eines Kindes
gebaut ist. Produziert von Mike Moore (Liam Gallagher), gespielt mit einer Band, die so
britisch und so erfahren ist wie ein Musikgeschichtsbuch: Mike Joyce von The Smiths am
Schlagzeug, Mark Neary (Baxter Dury) an Bass und Pedal Steel, Jack Jones (Trampolene) an
der Gitarre und Katia selbst an den Keyboards.